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Megaray statt Megapixel

„Megaray“ ist schon so ein cooles Wort – und das wofür es steht, ist noch viel cooler!
Megaray ist eine Maßeinheit wie Megapixel, nur dass es nicht für die Dichte von Bildpunkten steht, sondern für die Dichte an Lichtstrahlen.
Jetzt kann man sich fragen, was will der Typ denn eigentlich von mir? Megaray, Megapixel, was bringt mir das?
Nun, die US-amerikanische Firma „Lytro“ beschäftigt sich mit Lichtfeldfotografie und arbeitet an Lichtfeldkameras, auch plenoptische Kameras genannt (http://de.wikipedia.org/wiki/Plenoptische_Kamera). Lytros jüngstes Baby ist die „Lytro Illum“, eine Lichtfeldkamera, welche für den Konsumentenbereich vertrieben wird. Die Maßeinheit bei einer Lichtfeldkamera heißt Megaray statt Megapixel (MP).


Und warum ist die Lytro Illum jetzt besser als meine DSLR? Tja, um ehrlich zu sein, ist sie es nicht. Noch nicht! Die Lytro Illum hat, wenn man es runterbricht, auf 2D eine Megapixel-Auflösung von gerade mal 4 MP. Das reicht nicht wirklich für den professionellen Fotobereich und mit 1600 Euro ist die Illum auch nicht gerade günstig.

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ABER man kann die Lytro Illum auch nicht mit klassischen Kameras vergleichen, denn die Lytro Illum arbeitet anders als klassische Kameras, und das ist auch der Grund, warum ich die Illum so spannend finde! Die Lytro Illum nimmt keine klassischen Bilddaten auf, sondern eine Datei, in der das 4-D-Lichtfeld vor der Linse gespeichert wird. Formal ist das 4-D-Lichtfeld definiert als die Strahlungsdichte entlang der Lichtstrahlen in einem leeren Raum.

In der Lichtfeld-Datei sind um ein vielfaches mehr Informationen enthalten als in einem herkömmlichen Raw-Bild aus einer DSLR. Dies ermöglicht zum Beispiel, die Tiefenschärfe im Nachhinein zu verschieben oder zu erweitern. In dem Bild ist so viel Information enthalten, dass man sogar im Nachhinein den Kamerawinkel noch leicht verschieben kann! Dank soviel Information ist bis zu einem gewissen Grad sogar Stereoskopie (http://de.wikipedia.org/wiki/Stereoskopie) möglich. Cool!
Lytro wirbt mit den sogannten “Living Pictures”, welche aus einem geschossenem Lichtfeldbild generiert werden (https://pictures.lytro.com/). Auf der offiziellen Lytro Homepage kann man solche “Living Pictures” bestaunen und selbst Hand anlegen, in dem man durch klicken der Maus den Schärfebereich selbst festlegt.

Bei dem Design der Illum hat sich Lytro an den aktuellen DSLRs orientiert.
Die Illum arbeitet mit 40 Megaray. Das ist vier Mal soviel wie die Auflösung des Vorgängermodells von Lytro.

Das Objektiv ist fest verbaut mit einem Brennweitenbereich von 30 bis 250 Millimeter, und dank der Lichtfeld-Methode hat sie eine sehr kurze Naheinstellgrenze. Objekte, die fast schon die Linse berühren, können scharf abgebildet werden. Die Illum hat eine Festblende von f/2. Bei solch einem lichtstarken Objektiv kann die Kamera eine Belichtungszeit von 1/4.000 Sekunde vorzeigen, um auch in heller Umgebung zu fotografieren. Falls es immer noch zu hell ist, greift man zu den Graufiltern, die im Lieferumfang enthalten sind.

Die Kamera richtet sich im Moment noch eher an Enthusiasten. Die Illum ist noch nicht ganz ausgereift, die Batterie hält nicht besonders lange, in „Low-Light“-Situationen wird das Bild sehr körnig. Die Illum hat keinen Bildstabilisator. So werden aus der Hand geschossene Bilder schnell verwaschen.

Aber Lytro geht einen Weg, der die Fotografie voran treiben kann und wohl möglich sogar wird. Außerdem arbeitet Lytro angeblich noch an einer Möglichkeit, Lichtfeldfilme aufzuzeichnen. Es wird sich zeigen, wie die Herausforderung der immensen Datenmengen hier bewältigt wird.

Im Moment wird bei der Lichtfeldfotografie nur an der Oberfläche gekratzt, und wenn womöglich andere Kamerahersteller (Nikon, Canon, Sony..) auf den Zug mit aufspringen, könnte die Entwicklung rasante Sprünge machen. Vielleicht werden dann doch eines Tages die DSLRs abgelöst, und dann heisst es wirklich nur noch Megarays und nicht mehr Megapixel.